<p>Nach der Finanzkrise, der Corona-Krise und der Energiekrise: Vielleicht rüttelt uns die Hormuz-Krise zum vierten Mal in zwanzig Jahren auf.</p>
Nach der Finanzkrise, der Corona-Krise und der Energiekrise: Vielleicht rüttelt uns die Hormuz-Krise zum vierten Mal in zwanzig Jahren auf.
Während die Aufmerksamkeit der Welt auf ein schmales Stück Wasser neben dem Iran gerichtet ist, vergisst sie fast die Meeresströmung, die sich vom Südpol entlang Europas schlängelt. Doch die Atlantische Meridionale Umwälzströmung (AMOC) ist wichtiger als die Straße von Hormuz.
Die AMOC-Strömung sorgt für ein Gleichgewicht im Atlantik und damit für ein stabiles Klima in der Region. Doch sie wird durch Veränderungen der Temperatur und des Salzgehalts des Meerwassers verlangsamt, verursacht durch die von uns ausgestoßenen Treibhausgase.
Wenn sich die Strömung zu sehr verlangsamt, sind die Folgen katastrophal: Europa wird dann viel kälter, an der amerikanischen Ostküste steigt der Meeresspiegel stark an, Afrika wird mit schweren Dürren konfrontiert. Jüngste Studien zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit einer solchen Verlangsamung derzeit auf fünfzig Prozent geschätzt wird, viel höher als die fünfzehn Prozent Wahrscheinlichkeit in früheren Untersuchungen.
Gletscher schmelzen schneller als gedacht, Europa erwärmt sich schneller als gedacht, der Westen der USA ist dieses Jahr wieder trockener und heißer als gedacht, der AMOC ist weniger stabil als gedacht. Jede dieser neuen Erkenntnisse würde in einer rationalen Welt zu drastischen Maßnahmen führen.
Doch wie? Zunächst müssen politische Koalitionen geschmiedet werden. Alle Staaten müssen an einem Strang ziehen – oder zumindest genug davon. Das ist gelungen: 195 Länder unterzeichneten das Pariser Abkommen. Der zweite Schritt besteht darin, konkrete Maßnahmen zu ergreifen.
Die erfolgreichste Maßnahme in unseren Breitengraden war die Bepreisung von Emissionen. Noch besser wäre es gewesen, wenn wir darüber hinaus großflächig in grüne Energie investiert hätten, so wie China. Dennoch: Schätzungen zufolge verdanken wir in Europa etwa die Hälfte der gesamten Emissionsreduktion seit 2005 (mit gut einem Drittel) der CO2-Bepreisung.



