<p>In Europa droht ein monetärer Wettbewerb um die Kontrolle des Zahlungsverkehrs. Doch welche Geldordnung ist für Europa die klügste Wahl?</p>
In Europa droht ein monetärer Wettbewerb um die Kontrolle des Zahlungsverkehrs. Doch welche Geldordnung ist für Europa die klügste Wahl?
In der „Woche des Geldes“, die Ende März bereits zum fünfzehnten Mal in den Niederlanden stattfand, sollten junge Menschen lernen, „kluge finanzielle Entscheidungen zu treffen“. Die entsprechenden Unterrichtsmaterialien stellt das Finanzministerium bereit. Ausgerechnet zu jenem Zeitpunkt erreichte mich ein Vorschlag, die Geldmenge an die weltweite Fläche unberührter Natur zu koppeln. Auch eine Form der „Geldentscheidung“, allerdings von deutlich grundsätzlicherer Art. Ob ich das nicht unterstützen wolle?
Solche Geldreformer gehen davon aus, dass die Wirtschaft ein grundlegendes Problem hat – und dass dessen Ursache im Geldsystem selbst liegt. Entsprechend vielfältig sind die Vorschläge. Die niederländische Initiative „Ons Geld“ etwa kritisiert, dass Geschäftsbanken Geld in Form von Krediten schöpfen. Die Alternative wäre schuldenfreies Geld, geschaffen und verwaltet von einer öffentlichen Institution – eine Idee, die schon amerikanische Ökonomen in den 1930er-Jahren vertraten.
Eine noch ältere Diagnose, die sowohl im mittelalterlichen Christentum als auch im Islam verbreitet war, sieht im Zins das Kernproblem: Geld dürfe kein Geld „gebären“. Spätere Denker verknüpften diese Kritik mit dem Wachstumszwang moderner Volkswirtschaften. Unternehmen müssten ihre Umsätze ständig steigern, um mehr zurückzuzahlen, als sie geliehen haben. Würde man den Zins abschaffen, so die These, verschwände auch der Wachstumsdruck, der heute als Bedrohung für den Planeten gilt.
Andere Ansätze setzen an einem anderen Punkt an: Geld werde zwangsläufig gehortet, was zu Vermögenskonzentration führe. In einer gesunden Wirtschaft müsse es jedoch zirkulieren. Der Belgier Silvio Gesell schlug deshalb bereits 1911 eine Geldform vor, die automatisch an Wert verliert. Stabile Inflation als Segen. John Maynard Keynes griff diese Idee 1944 mit seinem Konzept des „Bancor“ für den internationalen Zahlungsverkehr auf: Länder mit dauerhaften Exportüberschüssen sollten ihre Guthaben beim Internationalen Währungsfonds verlieren. Realisiert wurde das nie.
Für sogenannte „Goldbugs“, die häufig eher rechts verortet sind, liegt das Problem in der Macht des Staates und der Zentralbanken. Eine Rückkehr zum Goldstandard soll das Geldmengenwachstum begrenzen. Im Idealfall, so die Vorstellung, könnte man gleich die Zentralbanken – und vielleicht auch den Staat – abschaffen.



