<p>Mit Kevin Warsh rückt ein geldpolitischer Falke an die Spitze der Fed. Der Führungswechsel fällt in eine Phase steigender Energiepreise und neuer Inflationsrisiken – mit möglichen Folgen weit über die USA hinaus.</p>
Was der bevorstehende Führungswechsel bei der Fed für die Geldpolitik bedeutet.
An der Spitze der amerikanischen Notenbank zeichnet sich ein bedeutender Kurswechsel ab. Die Amtszeit von Jerome Powell als Vorsitzender der Federal Reserve System endet am 15. Mai. US-Präsident Donald Trump nominierte bereits Ende Januar den ehemaligen Fed-Gouverneur Kevin Warsh als Nachfolger. Der Senat hat inzwischen eine wichtige Verfahrenshürde genommen, die endgültige Bestätigung gilt als wahrscheinlich.
Der Wechsel erfolgt in einer heiklen Phase. Nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran sind weltweit die Energiepreise gestiegen. In den USA beschleunigte sich die Inflation zuletzt wieder deutlich: Vor allem höhere Benzin- und Energiekosten trieben die Verbraucherpreise auf 3,8 Prozent. Auch die Kerninflation bleibt oberhalb des Fed-Ziels.
Die Finanzmärkte beobachten daher aufmerksam, wie sich die amerikanische Geldpolitik unter neuer Führung verändern könnte.
Ein Vertreter der alten geldpolitischen Schule
Warsh gilt seit Jahren als geldpolitischer „Falke“. Der ehemalige Investmentbanker von Morgan Stanley war bereits zwischen 2006 und 2011 Mitglied des Fed-Direktoriums und vertritt eine deutlich restriktivere Linie als viele Zentralbanker der vergangenen Jahre.
Intellektuell steht Warsh in der Tradition marktorientierter Geldtheorie, die stark von Ökonomen wie Milton Friedman geprägt wurde. Im Zentrum dieses Denkens steht die Überzeugung, dass Inflation vor allem durch eine zu expansive Geldpolitik entsteht und deshalb möglichst früh bekämpft werden müsse.
Entsprechend warnte Warsh wiederholt davor, Inflationserwartungen aus dem Blick zu verlieren. Zentralbanken müssten glaubwürdig bleiben und Preissteigerungen notfalls auch auf Kosten schwächeren Wachstums eindämmen.



