Matthias Wolfschmidt: „Handelspolitik muss heute Umwelt- und Agrarpolitik integrieren“
Landwirtschaft

Die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) hält der Experte Matthias Wolfschmidt für einen Bremsklotz nachhaltiger landwirtschaftlicher Entwicklung: Landwirte seien von Subventionen abhängig und die kleinteilige supranationale Regulatorik der EU belaste Betriebe, statt Umweltschäden zu verhindern. Ein Gespräch über Auswege aus der agrarpolitischen Sackgasse.
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Matthias Wolfschmidt ist approbierter Veterinärmediziner, Master of Science in Pharmaceutical Medicine, Agrar- und Tierschutzexperte. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag und 20 Jahre Direktor für Strategie und Kampagnen bei der Verbraucherorganisation foodwatch. 2025 gründete er nature solidarity mit dem Ziel, die Artenvielfalt und die Versorgung mit bezahlbaren und hochwertigen Lebensmitteln in Deutschland und der EU durch eine andere Agrarpolitik zu sichern.
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Herr Wolfschmidt, wenn eine Krise auf die nächste folgt, verschiebt sich die öffentliche Aufmerksamkeit ganz natürlich immer zum neuesten Thema, dringliche Angelegenheiten geraten schnell ins Hintertreffen. Als ab Ende 2023 bundesweit Landwirte auf die Straße gingen, hatte der Agrarsektor seine Stunde im medialen Rampenlicht. Seitdem ist es ruhiger geworden, Schwarz-Rot hat die Steuersubventionen für Agrardiesel wieder eingeführt. Für die meisten Beobachter war aber klar: Die Streichung der Subvention unter der Ampel war nicht der alleinige Grund für die Proteste, sondern viel mehr der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Etwas liegt im Argen mit der europäischen Landwirtschaft. Wo sehen Sie die elementaren Probleme?
Auf vierzig Prozent des EU-Territoriums wird Landwirtschaft betrieben, in Deutschland sind es sogar 50 Prozent. Von den EU-weit 180 Millionen Hektar sind 100 Millionen Hektar Ackerland. Auf zwei Dritteln der Äcker wird Tierfutter erzeugt. Laut EU-Kommission sind etwa drei Viertel von diesen Ackerböden aufgrund der heutigen Bewirtschaftungspraxis ungesund. Der Großteil der Böden ist überdüngt und enthält Pestizid-Abbauprodukte. Die Europäische Umweltagentur sagt, dass die Landwirtschaft die größte Belastung für die Oberflächengewässer und das Grundwasser ist. Zusammen mit Fischerei und dem gesamten Lebensmittelsystem ist Landwirtschaft die Hauptursache für den Verlust von biologischer Vielfalt und Lebensräumen durch Landumwandlung, Bodendegradation, Überfischung, Wasserentnahme sowie chemische und Nährstoffverschmutzung.


