<p>Vier Jahre Stagnation und eine strukturell schwache Binnenwirtschaft: Die aktuelle Krise ist mehr als eine Folge geopolitischer Schocks – sie legt ein lange verdrängtes Grundproblem offen.</p>
Vier Jahre Stagnation und eine strukturell schwache Binnenwirtschaft: Die aktuelle Krise ist mehr als eine Folge geopolitischer Schocks – sie legt ein lange verdrängtes Grundproblem offen.
Vier Jahre wirtschaftliche Stagnation, ein neuer Energiepreisschock infolge des Kriegs im Iran und strukturelle Schwächen, die seit Jahren ungelöst bleiben: Deutschland steht vor einer der schwierigsten konjunkturellen Phasen der Nachkriegszeit. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute und die Bundesregierung haben ihre Prognosen zuletzt deutlich nach unten korrigiert.
- Wachstumsprognosen für 2026 durch Bundesregierung, Forschungsinstitute und Industrieverbände erneut gesenkt
- Energiepreisschock durch die Blockade der Straße von Hormus belastet Preise und Industrie → Stagflationsrisiko: schwaches Wachstum bei gleichzeitig steigender Inflation
- Kurzfristiger Preisvorteil für deutsche Chemiefirmen gegenüber asiatischen Wettbewerbern – bei gleichzeitig wachsender struktureller Gefährdung der Branche
- Mangelnde Binnennachfrage als zentrales, strukturell unterschätztes Problem
Deutschland steht vor dem vierten Jahr ohne nennenswerte wirtschaftliche Dynamik. Für 2026 erwartet die Bundesregierung nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,5 Prozent – im Januar war sie noch von 1,0 Prozent ausgegangen. Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute senkten ihre Gemeinschaftsprognose von zuvor 1,3 Prozent auf nunmehr 0,6 Prozent für das laufende Jahr sowie von 1,4 auf 0,9 Prozent für 2027. Das Institut für Weltwirtschaft Kiel revidierte seine Jahresprognose von 1,0 auf 0,8 Prozent.
Für Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) ist klar: Die erhoffte wirtschaftliche Erholung wird erneut durch externe geopolitische Schocks ausgebremst. Der Krieg im Iran treibt Energie- und Rohstoffpreise nach oben, belastet private Haushalte und erhöht die Kosten für Unternehmen. Clemens Fuest stellte fest, der Krieg habe die Hoffnung auf einen baldigen Aufschwung vorerst beendet. Im April fiel der ifo-Geschäftsklimaindex auf 84,4 Punkte – den niedrigsten Stand seit Mai 2020.



