<p>China versucht den größten wirtschaftlichen Umbau seit Deng Xiaoping. Doch der Übergang ist schwierig.</p>
China versucht den größten wirtschaftlichen Umbau seit Deng Xiaoping: weg von Immobilienboom und Exportabhängigkeit, hin zu Innovation, Binnenmarkt und Hightech. Doch die Immobilienkrise, schwache Konsumnachfrage und wachsende soziale Spannungen zeigen, wie schwierig der Übergang ist.
In der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas treten seit einigen Jahren zunehmend Widersprüche und strukturelle Probleme zutage. Besonders sichtbar wurden sie im Bau- und Immobiliensektor. Die Fehlentwicklungen dort wurden über lange Zeit nicht rechtzeitig korrigiert und führten zu erheblichen Überkapazitäten – nicht nur im Wohnungsbau selbst, sondern auch in der Stahlproduktion und anderen rohstoffintensiven Industrien. Diese Krise ist jedoch nicht isoliert zu betrachten. Sie verweist auf einen tiefergehenden wirtschaftlichen Transformationsprozess, der China seit etwa 2015 prägt und inzwischen die gesamte Entwicklungsstrategie des Landes verändert.
China befindet sich im Übergang von einem Modell der nachholenden Industrialisierung mit exportorientierter Produktion und hohen westlichen Direktinvestitionen hin zu einer innovationsbasierten Entwicklungsstrategie. Sichtbar wurde dieser Kurswechsel spätestens mit dem Programm „Made in China 2025“, vorbereitet wurde er allerdings bereits nach der globalen Finanzkrise von 2008/09. Damals erkannte die chinesische Führung, wie verwundbar das exportgetriebene Modell der „Werkbank der Welt“ gegenüber externen Nachfrageschocks geworden war. Auf dem 5. Plenum 2010 beschloss die Partei- und Staatsführung deshalb, die Rolle des Binnenmarkts zu stärken und die Konsumquote am BIP zu erhöhen.
Mit dem 13. Fünfjahresplan sowie Initiativen wie der „Belt and Road Initiative“ wurde dieser Kurs später weiterentwickelt. Ziel ist eine Wirtschaftsstruktur, die weniger auf immer neue Kapazitäten und Exportüberschüsse setzt, sondern stärker auf Innovation, Produktivität und technologische Eigenständigkeit. Der Umbau umfasst den Aufbau wissenschaftlich-technischer Innovationszentren, neue regionale Entwicklungsstrategien sowie neue Finanzierungs- und Steuerungsinstrumente wie staatlich gelenkte Guidance Funds. Dahinter steht die Einsicht, dass China den nächsten Entwicklungsschritt nicht mehr allein über billige Arbeit, massive Investitionen und Exportüberschüsse erreichen kann. Tatsächlich sank der Leistungsbilanzüberschuss von zeitweise rund zehn Prozent des BIP auf unter drei Prozent.



