Die Kurven dieser Grafik wirken auf den ersten Blick wie eine klassische Konjunkturgeschichte. Tatsächlich erzählen sie etwas Grundsätzlicheres: warum sich die wirtschaftliche Dynamik zwischen Deutschland und den USA über Jahrzehnte hinweg verschoben hat.
Bis Mitte der neunziger Jahre liegt Deutschland beim Produktivitätswachstum vor den Vereinigten Staaten. In der Nachkriegszeit ist das wenig überraschend. Europa holt auf, modernisiert seine Industrie und übernimmt Technologien aus den USA. Wer aufholt, wächst schneller.
Doch auch danach bleibt der Vorsprung zunächst bestehen. Ein zentraler Faktor ist das sogenannte rheinländische Modell: stabile Arbeitsverhältnisse, lange Betriebszugehörigkeit, viel Erfahrungswissen im Unternehmen. Diese Struktur begünstigt kontinuierliche Verbesserungen. Die Industrie wird nicht neu erfunden, sondern systematisch effizienter gemacht. In dieser Phase gewinnt Deutschland die klassische Industriewirtschaft.
Die USA setzen dagegen lange auf flexible Arbeitsmärkte. Das beschleunigt Anpassung, erschwert aber die langsame Perfektion industrieller Prozesse. In der „Old Economy“ verlieren die Amerikaner zunächst an Boden.
Dann kippt das Bild.
Mit der Jahrtausendwende beginnt in den USA eine Phase deutlich höheren Produktivitätswachstums. Treiber ist der IT-Sektor. Digitale Technologien, Software und Plattformökonomie verändern ganze Branchen. Hier spielt das amerikanische Modell seine Stärke aus: Risikobereitschaft, Kapitalzugang und flexible Strukturen ermöglichen radikale Innovationen. Europa bleibt in dieser „New Economy“ zurück.
Gleichzeitig zeigt die Grafik eine weniger diskutierte Entwicklung auf deutscher Seite. Seit Ende der neunziger Jahre, verstärkt nach den , verlangsamt sich das Produktivitätswachstum spürbar. Die erhöhte zwar die Beschäftigung, führte aber auch zu einem stärker . Unternehmen konnten zusätzliche Nachfrage eher über mehr Personal als über Effizienzgewinne bedienen.



