<p class="MsoNormal">Warum Einkommen nicht allein durch den Markt bestimmt werden – und welche Rolle Produktivität und Institutionen spielen.<o:p></o:p></p>
Warum Einkommen nicht allein durch den Markt bestimmt werden – und welche Rolle Produktivität und Institutionen spielen.
Was intertemporaler Strukturwandel ist, habe ich im ersten Teil dieser Trilogie erklärt: die Möglichkeit für ein Unternehmen nämlich, sich durch eine Verbesserung der vorhandenen Produktionstechnik oder durch ein neues Produkt von den anderen Unternehmen abzusetzen und temporär höhere Gewinne zu machen. Das ist auch das entscheidende Thema, wenn wir uns den Arbeitsbeziehungen in einer Marktwirtschaft widmen.
Der sogenannte Arbeitsmarkt der herrschenden Theorie ist nämlich im Kern auf der Idee aufgebaut, dass die Unternehmen, wenn sie nur die „richtigen“ Signale von den Arbeitnehmern bekommen, ihre Produktionstechnik zurückentwickeln, von hoher Arbeitsproduktivität (und hoher Kapitalintensität) zu geringerer Arbeitsproduktivität (geringerer Kapitalintensität). Das ist der entscheidende Fehler dieser Theorie. Das tun Unternehmen in einer Marktwirtschaft niemals.
In der DNA der Unternehmen ist verankert, dass es niemals einen Weg zurück gibt, sondern immer nur vorwärts. Nur vorwärts kann man Probleme lösen, nur vorwärts kann man gegen die Konkurrenz bestehen, nur vorwärts kann man Weltmarktführer werden. Rückwärts gehen, ist der Weg in den Untergang, weil der nächste Konkurrent bestimmt nicht rückwärts geht und folglich absolute Vorteile erzielt, die einem selbst das Genick brechen.
Der Arbeitsmarkt ist ein zentrales Thema bei Keynes und den Keynesianern gewesen. Man hat sich mit der Bedeutung der Nominallöhne auseinandergesetzt und argumentiert, die Preise könnten sich jederzeit so bewegen wie die Nominallöhne und damit verhindern, dass die Reallöhne überhaupt fallen. Das ist kein unwichtiger Aspekt, aber er ist bedeutender für die Inflationstheorie als für die Arbeitsmarkttheorie. Kurzfristig können die Reallöhne sehr wohl fallen, wenn man die Nominallöhne drastisch senkt. Wir haben es in Griechenland gesehen.
Wenn die Reallöhne fallen, dann sinkt die Kaufkraft der Arbeitnehmer, sagen die Gewerkschaften seit Jahrzehnten immer wieder. Doch über das, was dann passiert, ist man sich wieder nicht einig. Was machen die Unternehmen, wenn die Gewinne pro Stück steigen, die Menge der Stücke, die produziert werden, aber sinkt? Die Antwort ist ganz einfach, wird aber selten in aller Klarheit gegeben: Wenn, wie in Griechenland die Reallöhne um 20 Prozent sinken und folglich die Nachfrage der Arbeitnehmer um 20 Prozent sinkt, dann entlassen die Arbeitnehmer 20 Prozent der Beschäftigten, weil sie nur auf diese Weise ihre Verluste minimieren oder sogar weiter Gewinne machen.



