Fast einhundert Prozent seines Energiebedarfs importiert Taiwan aus dem Ausland. Inzwischen reichen die Reserven des Landes nur noch für wenige Wochen. Die strategische Verwundbarkeit der Insel könnte eine globale Kettenreaktion auslösen.
Fast einhundert Prozent seines Energiebedarfs importiert Taiwan aus dem Ausland. Inzwischen reichen die Reserven des Landes nur noch für wenige Wochen. Die strategische Verwundbarkeit der Insel könnte eine globale Kettenreaktion auslösen.
Seit einigen Jahren zeichnet sich am geopolitischen Horizont ein chinesischer Angriff auf Taiwan ab. Einer möglichen chinesischen Blockade dürfte Taiwan angesichts eines nur mangelhaft ausgebauten Energiesystems kaum standhalten. Beinahe die gesamte Energie, die das Land verbraucht, muss importiert werden. Die Knappheit fossiler Energieträger infolge des Iran-Kriegs zehrt an der Substanz des Landes. Die Gasreserven halten etwa zwei Wochen, Kohle ist nur noch für sechs Wochen verfügbar.
Trotzdem steigt die Regierung unter Präsident Lai Ching-tes Demokratischer Fortschrittspartei (DPP) aus der Atomenergie aus. Als langfristige Resilienz-Strategie visiert Taiwan wie viele andere Volkswirtschaften ein auf erneuerbaren Energien basierendes Energiesystem an. Heimische Erzeugung und verringerte Importabhängigkeit sollen die Souveränität des Landes sichern.
Doch der Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung verläuft nur schleppend. Die ehrgeizigen Ausbauziele der Regierung werden durch lokale Widerstände der Bevölkerung, Korruptionsskandale und die Geografie der Insel selbst erheblich behindert. Zwar signalisierte die Regierung bereits unter Lai Ching-Tes Vorgängerin Tsai Ing-wen (ebenfalls DPP) einen Kurs gegen Atom- und pro Erneuerbare Energie. Doch schon damals traf die Umsetzung auf empfindliche Hürden. Taiwan bleibt in erheblichem Maß von importierten Energieträgern abhängig.
Hohes Offshore-Wind-Potenzial, schwierige Lage für Solar
Weil große Teile Taiwans von dicht bewaldeten Gebirgen geprägt sind, stößt der Ausbau der Photovoltaik seit Jahren auf Flächenkonflikte. Größere Hoffnungen ruhten deshalb auf der Offshore-Windkraft, für die die Küsten der Insel ausgezeichnete Bedingungen bieten. Tatsächlich zog Taiwan zunächst zahlreiche Investoren an, begünstigt durch hohe garantierte Einspeisevergütungen.



