Multilaterale Verrechnung: Ein unterschätztes Instrument für regionale Wirtschaftsnetzwerke
Clearing-Netzwerk

Geschäftsbanken nutzen sie täglich, um ihren Liquiditätsbedarf zu minimieren. In der Realwirtschaft ist die multilaterale Verrechnung hingegen kaum bekannt – dabei bietet sie regionalen Netzwerken und Genossenschaften enorme Vorteile.
Geschäftsbanken nutzen sie täglich, um ihren Liquiditätsbedarf zu minimieren. In der Realwirtschaft ist die multilaterale Verrechnung hingegen kaum bekannt – dabei bietet sie regionalen Netzwerken und Genossenschaften enorme Vorteile.
In einer arbeitsteiligen Wirtschaft entstehen permanent Forderungen und Verbindlichkeiten. Üblicherweise werden diese durch unzählige Einzelzahlungen – per Überweisung, Lastschrift oder Karte – ausgeglichen.
Makroökonomisch gesehen ist auf mittlere Sicht jedoch nur ein Bruchteil dieser Liquidität zwingend erforderlich, um den Wirtschaftskreislauf am Laufen zu halten. Denn wenn Unternehmensnetzwerke oder Genossenschaften die Informationen über ihre offenen Posten bündeln, lässt sich das tatsächlich zu bewegende Geldvolumen drastisch reduzieren.
Aus der Summe aller ausstehenden Rechnungen (dem Brutto-Zahlungsvolumen) und der einfachen Verrechnung zwischen zwei Partnern lässt sich eine systemweite Netto-Zahlungslast ermitteln. Die Finanzmathematik spricht hier vom "Net Internal Debt". Je dichter das wirtschaftliche Netzwerk gewoben ist, desto größer wird der Verrechnungseffekt und desto geringer fällt diese verbleibende Zahlungslast aus.
Das historische Vorbild der Banken
Was für die Realwirtschaft wie eine neuartige Idee klingen mag, ist im Finanzsektor seit rund 250 Jahren bewährte Praxis. Geschäftsbanken gleichen die massenhaften Zahlungsaufträge ihrer Kunden nicht einzeln untereinander in Zentralbankgeld aus. Stattdessen verrechnen sie ihre gegenseitigen Verpflichtungen in Clearing-Verfahren.
Historisch lässt sich dieser Effizienzgewinn eindrucksvoll am Londoner Clearinghaus des 18. und 19. Jahrhunderts beobachten. Schon damals reduzierte sich das physisch zu transferierende Geldvolumen (damals Edelmetallmünzen) durch die gemeinschaftliche Verrechnung auf ein Minimum. In bestehenden Clearingverfahren liegen die Endsalden häufig bei weniger als fünf Prozent des ursprünglichen Bruttovolumens. Das mathematische Prinzip ist also bestens erprobt – neu wäre lediglich seine Anwendung auf Gemeinschaften außerhalb des Bankensektors.


