<p>Der Iran-Krieg hat ein Fünftel des globalen LNG-Angebots ausgelöscht. Während Europa nach Ersatz sucht, sichern sich Russland und China mit Infrastruktur, Rabatten und strategischer Planung die Energiemärkte Asiens.</p>
Der Iran-Krieg hat ein Fünftel des globalen LNG-Angebots ausgelöscht. Während Europa nach Ersatz sucht, sichern sich Russland und China mit Infrastruktur, Rabatten und strategischer Planung die Energiemärkte Asiens.
Der Krieg gegen den Iran hat die globalen Energiemärkte nicht einfach erschüttert, sondern neu sortiert. Mit der Sperrung der Straße von Hormus und der Zerstörung zentraler LNG-Infrastruktur in Katar ist schlagartig rund ein Fünftel des weltweiten Angebots vom Markt verschwunden. Katar, bislang einer der wichtigsten Lieferanten für Europa und Asien, fiel praktisch über Nacht aus.
Was wie ein regionaler Schock begann, hat sich zu einer geopolitischen Verschiebung entwickelt – und während Europa noch nach Alternativen sucht, haben Russland und China längst begonnen, die Lücke zu besetzen.
Dabei liegt die eigentliche Pointe darin, dass diese Entwicklung nicht erst mit dem Iran-Krieg begonnen hat. Sie ist das Ergebnis einer strategischen Neuorientierung, die bereits 2022 einsetzte, als Europa seine Energieimporte aus Russland drastisch reduzierte. Moskau verlor damit seinen wichtigsten Absatzmarkt und musste plötzlich Abnehmer für enorme Mengen finden – rund 4 Millionen Barrel Öl pro Tag sowie große Teile seiner Gasexporte.
Die naheliegende Lösung lag im Osten. China, ohnehin der größte Energieimporteur der Welt, wurde zum zentralen Ziel. Doch zwischen russischen Gasfeldern und chinesischen Verbrauchszentren lag ein praktisches Problem: Es fehlten die Leitungen. Die bestehende ESPO-Pipeline war auf etwa 30 Millionen Tonnen Rohöl jährlich ausgelegt – tatsächlich nahm China schon damals rund 35 Millionen Tonnen ab. Nachfrage war also da, die Infrastruktur hinkte hinterher.
Russland reagierte mit einer Investitionsoffensive, die man ohne Übertreibung als energiepolitischen Kraftakt bezeichnen kann. Die Pipeline „Power of Siberia 1“ wurde auf eine Kapazität von 44 Milliarden Kubikmetern ausgebaut, die Leitung „Far East Gas“ auf 12 Milliarden. Gleichzeitig begann der Bau von „Power of Siberia 2“, die künftig weitere 50 Milliarden Kubikmeter pro Jahr transportieren soll.
Diese Projekte gehören zu den größten Infrastrukturinvestitionen Russlands seit Jahrzehnten. Sie waren ein Wagnis – denn sie setzten darauf, dass China dauerhaft bereit sein würde, die Rolle Europas zu übernehmen.



