<p>Das Zerwürfnis zwischen den USA und Europa wegen des Iran-Kriegs hat einen Vorläufer in der Ölkrise der 1970er Jahre. Der Rückblick zeigt auch, dass die Verstimmung zu neuer Kooperation führen kann.</p>
Das Zerwürfnis zwischen den USA und Europa wegen des Iran-Kriegs hat einen Vorläufer in der Ölkrise der 1970er Jahre. Der Rückblick zeigt auch, dass die Verstimmung zu neuer Kooperation führen kann.
Am 16. November 1973 traf der französische Präsident Georges Pompidou den britischen Premierminister Edward Heath auf dessen Landsitz in Chequers nordwestlich von London. Thema der geheimen Unterredung war die Ölkrise, die Panik in den westlichen Ländern ausgelöst hatte. Der Ölpreis war innerhalb von wenigen Wochen um 70 Prozent von 3 auf mehr als 5 Dollar pro Fass gesprungen. Am 9. November hatte die westdeutsche Regierung den ersten autofreien Sonntag verordnet.
Die beiden Staatsmänner sprachen jedoch nicht nur über die wirtschaftlichen Probleme. Noch viel stärker betrübte sie die politische Lage. Pompidou beklagte, Europa sei in letzter Zeit „auf fast schon demütigende Weise“ auf der internationalen Bühne unsichtbar gewesen. Es brauche eine gemeinsame Anstrengung, um der amerikanischen Hegemonie entgegenzutreten. Gleichzeitig warnte er vor zu hohen Erwartungen. Es bestehe die Gefahr, dass die Staats- und Regierungschefs nur lautstark „Europa, Europa“ skandierten und dass „das einzige Ergebnis Unbestimmtheit und Zweideutigkeit sein würde“.
Pompidous Plan führte Frankreich in die Isolation
In der Folge bemühte sich Paris mit allen Mitteln, Unabhängigkeit gegenüber Washington zu demonstrieren und die anderen Mitglieder der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, wie die EU damals hieß, auf einen neuen Kurs einzuschwören. Statt sich gegen das arabische Erdölkartell Opec zu wehren, suchte Pompidou den Ausgleich. Frankreich schloss 1974 Abkommen mit Algerien, Iran, dem Irak, Libyen, Syrien und Saudi-Arabien ab, die zum einen langfristige Erdölverträge und zum anderen die Lieferung von französischen Rüstungsgütern und Nukleartechnologie umfassten. Die Strategie war, die gegnerische Seite zu besänftigen, um von zukünftigen Krisen und Sanktionen verschont zu werden.
Die Rechnung ging nicht auf. Die westdeutsche Regierung lehnte den französischen Sonderzug ab, unterstützte hingegen den Kurs von US-Außenminister Henry Kissinger, der darin bestand, die Macht des arabischen Erdölkartells durch die Bildung eines Konsumentenkartells zu brechen. Dafür schuf man die Internationale Energieagentur (IEA) als Teil der OECD. Frankreich war das einzige westliche Land, das sich weigerte, beizutreten, und stand vollkommen isoliert da. Der Plan einer gemeinsamen Energie- und Sicherheitspolitik war nur noch Makulatur. Pompidou sollte mit seiner Befürchtung recht behalten.



