Machbar oder utopisch: Lassen sich die Sozialversicherungsbeiträge von 43 auf 33 Prozent senken?
Machbar oder utopisch: Lassen sich die Sozialversicherungsbeiträge von 43 auf 33 Prozent senken?
Die deutsche Sozialversicherung ist ein Konzept der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts. Damals entschied man sich für eine Finanzierung nahezu ausschließlich aus Sozialbeiträgen, die von Arbeitnehmern und Arbeitgebern aufgebracht werden. Sie machen sozialversicherungspflichtige Arbeit teurer. Als dann die Pflegeversicherung vor gut 30 Jahren eingeführt wurde, lud man dem Packesel „Erwerbsarbeit“ noch einen weiteren Kostenblock auf.
Daher haben Einkommen aus Erwerbsarbeit in Deutschland durch die Kombination von Lohnsteuer und Sozialbeiträgen eine hohe Grenzbelastung: von jedem zusätzlich verdienten Euro bleibt nicht so richtig viel übrig. Die OECD konstatiert: Am größten war der Steuer- und Abgabenkeil für den Alleinstehenden mit einem durchschnittlichen Einkommen 2024 in Belgien (52,6 Prozent), gefolgt von Deutschland (47,9 Prozent). Kapitalerträge aus Zinsen und Dividenden sind dagegen nur mit maximal 25 Prozent belastet.
Mit anderen Worten: Im OECD-Vergleich liegt das Gewicht in Deutschland stark auf der Arbeitsbesteuerung:
Hinzu kommt, dass durch die Kopplung an die sozialversicherungspflichtige Arbeit die Kosten des Sozialstaates nicht von allen getragen werden. Denn nicht alle Erwerbstätigen sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Beamte, Freiberufler und die meisten übrigen Selbständigen beteiligen sich nicht an der Finanzierung über Sozialbeiträge. Unter anderem finanzieren sie nicht die Familienmitversicherung in der Krankenkasse und auch nicht die Gesundheitsleistungen für Bezieher der Grundsicherung mit, für die aus Steuern keine kostendeckenden Beiträge bezahlt werden.



