<p><span style="mso-ansi-language: DE;">Die EU will sich von den USA unabhängiger machen </span><span lang="EN-US">–</span><span style="mso-ansi-language: DE;"> mit dem Mercosur-Deal, Indien und Australien. Doch die neuen Partner können die transatlantische Krise nicht vergessen machen. Und hinter den Kulissen geht der Streit über die Handelspolitik weiter.</span></p>
Die EU will sich von den USA unabhängiger machen – mit dem Mercosur-Deal, Indien und Australien. Doch die neuen Partner können die transatlantische Krise nicht vergessen machen. Und hinter den Kulissen geht der Streit über die Handelspolitik weiter.
Der Außenhandel ist so etwas wie der heilige Gral der Europapolitik. In keinem anderen Politikfeld besitzt die Europäische Kommission so viel Macht, nirgendwo sonst ist die EU international so gut aufgestellt, und nichts ist für die schwer angeschlagene Exportnation Deutschland wichtiger als der Außenhandel von der Bundesliga und der Fußball-WM einmal abgesehen.
Deshalb ist es kein Wunder, handelspolitische Erfolge gefeiert werden. Zuletzt gab es einige gute Nachrichten. Das umstrittene Abkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten, die „Mutter aller Deals“ mit Indien und die geopolitische Einigung mit Australien würden der Wirtschaft neuen Schwung verleihen und Europa mehr Gewicht geben, hieß es in Brüssel und Berlin.
Der eigentliche Grund zur Freude war aber, dass diese Abschlüsse das Debakel vergessen machten, das die EU im Zollstreit mit den USA erlebt hat. Der im Sommer 2025 geschlossene Turnberry-Deal markiert eine historische Niederlage der europäischen Handelspolitik. Er begünstigt die US-Industrie, schadet der deutschen Exportwirtschaft und verletzt die Regeln der Welthandelsorganisation WTO.
Doch nun kann Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auch hier einen kleinen Erfolg vermelden. In einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump hat von der Leyen erreicht, dass Brüssel etwas mehr Zeit bei der umstrittenen Anwendung des Turnberry-Deals erhält. Trump hat den Europäern eine Frist bis zum 4. Juli eingeräumt, um das Abkommen zu ratifizieren und umzusetzen.
Der Aufschub ist eine Überraschung, denn zunächst hatte Trump mit einer sofortigen Erhöhung der US-Zölle auf europäische Autos und Lkw auf 25 Prozent gedroht. Bislang liegt der Zollsatz bei 15 Prozent. Der Zollhammer würde deutsche Hersteller besonders hart treffen. Nun können sie aufatmen. Optimisten hoffen sogar auf ein bisschen Frieden im transatlantischen Handelskrieg.


